DC: Was sind denn Dirigenten heutzutage?
MR: Jeder Dirigent wird unterschiedliche Ideen darueber haben. Mein Ziel ist es dem Publikum zu zeigen wie fantastisch ein bestimmtes Stueck ist. Dies bedeutet, das ein grosser Teil meines Jobs ist, die Musike zu inspirieren und zu motivieren ihr bestes zu geben.
DC: Es gibt aber immer noch eine Menge Leute die von Klassischer Musik intimidert sind.
MR: Ich glaube das in der Vergangenheit einige Leute in der klassischen Musikszene den Fehler gemacht haben sich dem Publikum gegenueber so zu verhalten, als ob es eine grosse Ehre waere in einem Konzert zu sein. Deshalb haben viele geglaubt sich auf eine bestimmte Art zu verhalten und zu kleiden. Es ist aber so, das klassische Musik fuer alle ist. Sie ist einfach zu gut und nur einigen wenigen vorbehalten zu sein. Es gibt keine Regeln oder Bestimmungen um zu Konzerten zu gehen. Die Hauptsache ist, dabei zu sein und sich an der Musik zu erfreuen. Anziehen kann ein jeder was er will - mir ist es ganz sicher egal.
DC: Muss man denn aber nicht schon viel ueber Musik wissen um ein Konzert zu geniessen?
MR: Man muss doch auch night genau die Abzeitsregel verstehen um an einem Fussballspiel Freude zu haben. Mit Musik ist es das gleiche. Lass es mich anders formulieren. Ich weiss nicht was aufregender ist, Beethovens fuenfte gespielt zu hoeren wenn man sie kennt und liebt, oder sie das erste Mal zu hoeren. Manchmal beneide ich die Leute die zum ersten Mal zu einem Konzert gehen.
DC: Wie wuerdest du diese Leute zu einem Konzert locken?
MR: Wenn wir in der klassischen Musikindustrie night faehig sind diese Musik auf eine interressante Art einem neuen und bereits existierenden Publikum zu verkaufen, wird die Industrie austrocknen. Es bringt nicht viel ein Konzert zu veranstalten, wenn kein Publikum da ist. Ich bin deshalb gerne in Projekte involviert, die Barrieren aufbrechen, wirkliche und die, die nur im Kopf. Auch solche, die immer neues Talent mitbringen und weiterhin existierende Musikliebhaber begeistern. Konzerte muessen als aufregende, begeisternde Attraktionen promiviert werden, nicht wie sie oftmals wahrgenommen weden, als steife und formelle Affairen.
DC: Bei manchen Leuten wird es eventuell einiges dauern bis sie davon ueberzeugt sind.
MR: Nicht unbedingt. Nimm als Beispiel Kochen, Gartenarbeit und DIY. Die wurden auch vor nicht langem als das Interesse einer Minderheit angesehen und sind hetzutage sehr beliebt - warum? Weil man das Potential im Produkt sah und den Mut and Vorstellungkraft hatte side einem modernen Publikum zu praesentieren.
DC: Reden wir jetzt ueber "Verdummung" und "Ihre 100 beliebtesten Arien"?
MR: JKetzt bist du ein Snob! Wenn du mit "Verdummung" Sachen meinst wie die drei grossen Tenoere beim Welt Cup Nessun Dorma sangen, dann lass uns weiter verdummen. Das war ein herausragender Erfolg. Ein rieseges Publikum wurde damit erriecht, die vielleicht noch nie von Puccini oder auch Nessun Dorma gehoert hatten.
DC: Was ist deine Lieblingsmusik?
MR: Das ist eine schwere Frage fuer einen Dirigenten. Mein Geschmack ist sehr weitreichend. Ich habe ein grosses Repertoire and dirigiere fast alles von Mozart bis John Williams. Aber wenn du mir zwingst, wuerde ich sagen das ich ohne englische Musik im besonderen und romantische und die des zwanzigten Jahrhunderts im allgemeinen nicht leben konnte. Auf der andern Seite frag mich naechste Woche noch einmal und die Antwort koennte voellig ander ausfallen.
DC: Zum Abschluss noch Marco, ich wette du verbringst deine gesamte Freizeit zu Konzerten zu gehen.
MR: Nicht so oft wie du vielleicht denkst. Mir ist im Publikum immer sehr unbequem. Ich waere viel lieber auf der Buehne am dirigieren - die meisten Dirigenten wuerden wahrscheinlich das gleiche sagen.